Klimaschutz kann so einfach sein
Die gestiegene Bedeutung ökologischer Kriterien im Bausektor stellt Planende vor die Herausforderung, Hallenkonstruktionen möglichst ressourcenschonend, langlebig und klimafreundlich zu realisieren. Gerade im Industriebau gilt es, neben funktionalen und wirtschaftlichen Aspekten auch das Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP) im Blick zu behalten. In diesem Kontext hat das Freiburger Öko-Institut im Auftrag des Instituts Feuerverzinken eine umfassende, peer-reviewte Studie nach ISO 14040/44 durchgeführt. Sie nimmt vier gängige Tragwerksvarianten einer exemplarischen Halle mit 900 Quadratmetern überspannter Fläche und einer vorgesehenen Nutzungsdauer von 50 Jahren unter die Lupe. Ziel der Untersuchung war es, die Lebenszyklusemissionen für jeden Konstruktionsansatz ganzheitlich zu erfassen, von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Nutzung bis hin zum End-of-Life (EoL).
Die Studie umfasst zwei stählerne Bauweisen (eine feuerverzinkte und eine nassbeschichtete), eine stahlbetonbasierte Konstruktion sowie eine weitgehend hölzerne Variante. Als Korrosivitätskategorie wurde C 3 definiert, was typische Einsatzbedingungen für Industrie- und Gewerbehallen widerspiegelt. Die in der Analyse festgelegten Referenzflüsse – beispielsweise der Stahl-, Beton- oder Holzbedarf – beruhen auf gängigen statischen Auslegungen für Hallen dieser Größenordnung. Daraus ergibt sich ein möglichst praxisnaher Datensatz, der zuverlässige Rückschlüsse auf das Klimaschutzpotenzial unterschiedlicher Bauweisen erlaubt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die feuerverzinkte Stahlkonstruktion beim GWP besonders gut abschneidet. Sie weist über den gesamten Lebenszyklus hinweg Emissionen von rund 30 Tonnen CO₂-Äquivalenten auf – ein Wert, der laut Studie signifikant unter jener der nassbeschichteten Stahlvariante und der stahlbetonbasierten Konstruktion liegt, die jeweils bei rund 36 Tonnen CO₂-Äquivalenten liegen. Auch das Holztragwerk verursacht mit knapp 29 Tonnen im direkten Vergleich etwas geringere Emissionen als die feuerverzinkte Lösung, wobei das Öko-Institut betont, dass die ermittelte Differenz von knapp einer Tonne im Bereich der üblichen Schwankungs- und Sensitivitätsspannen liegt.
Der Hauptgrund für die klimafreundliche Performance der feuerverzinkten Hallenvariante liegt im einmaligen Verzinkungsprozess. Diese initiale Schmelztauchverzinkung sorgt in der Regel über die gesamte Nutzungsdauer von 50 Jahren für einen äußerst wirksamen Korrosionsschutz, ohne dass umfangreiche Erneuerungen oder Wartungen erforderlich werden. Im Gegensatz dazu muss ein nassbeschichtetes Tragwerk in regelmäßigen Abständen instandgesetzt werden, was zusätzliche Material- und Energieverbräuche auslöst. Die Studie zeigt, dass diese wiederkehrenden Prozesse beim Nassbeschichten mit einem spürbaren Anstieg des GWP verbunden sind, da sowohl die Produktion der Beschichtungsstoffe als auch der Energieaufwand für Oberflächenvorbereitung, Auftrag der Beschichtung und Trocknung erhebliche Emissionen mit sich bringen können.
Die Studie hebt weiterhin die hohe Demontier- und Wiederverwendungsfähigkeit von Stahlträgern hervor. Am Ende ihrer Nutzungsphase lassen sich stählerne Hallen mit moderatem Aufwand zurückbauen. Bauelemente können sortenrein getrennt, gegebenenfalls direkt wiedereingesetzt oder zu Sekundärrohstoffen recycelt werden. Laut Analyse wurde im Basisszenario lediglich eine Wiederverwendungsquote von zehn Prozent angesetzt. Würde diese Quote im Sinne einer zirkulären Bauwirtschaft merklich erhöht, könnten sich sämtliche Emissionswerte nochmals verbessern. Gerade bei der feuerverzinkten Variante würde ein hoher Reuse-Anteil besonders positiv durchschlagen, da sich die verzinkten Stahlprofile nach erfolgter Kontrolle direkt oder ohne aufwändige Erneuerung des Korrosionsschutzes wieder nutzen lassen.
Obwohl die Holzvariante im direkten Zahlenvergleich auf eine geringfügig bessere Bilanz wie die feuerverzinkte Halle kommt, bemerken die Studienautoren, dass die Forstwirtschaft und die energetische Verwertung von Holz in Ökobilanzen durch die derzeit etablierten Methoden nicht vollständig abgebildet werden können. Viele Faktoren wie das Alter der Bäume, die Bewirtschaftungsweise und der regionale Energiemix haben einen unmittelbaren Einfluss auf die tatsächliche Klimabilanz von Holzprodukten. Die vorliegende Analyse betrachtet jedoch einen Standardansatz, bei dem das Holz als a priori klimaneutraler Werkstoff betrachtet und am Ende seiner Nutzungsphase klimaneutral verbrannt wird sowie fossile Brennstoffe substituiert. In Anbetracht künftiger Transformationspfade zu emissionsärmeren Energiesystemen kann die Substitution von fossilen Brennstoffen jedoch nicht dauerhaft angenommen werden, was wiederum zu anderen bilanziellen Ergebnissen führen könnte. Zudem können stark bewirtschaftete Wälder die angenommene Senkenfunktion häufig nicht aufrechterhalten. Somit stellt die bilanzierte Holzvariante ein Best-Case-Szenario dar, welches in der Zukunft so nicht weiter bestand haben wird.
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Vorteile einer feuerverzinkten Hallenkonstruktion aus mehreren Blickwinkeln. In puncto Global Warming Potential schneidet sie äußerst günstig ab, die Wartungsintervalle gestalten sich überschaubar und die hohe Rezyklierfähigkeit ermöglicht eine zukunftsorientierte Kreislaufnutzung. Für die Praxis bedeutet dies, dass Planungsteams bereits in einer frühen Projektphase neben dem reinen Konstruktionswerkstoff auch den Korrosionsschutz in die Gesamtökobilanz einbeziehen sollten. Häufig werden Instandhaltungszyklen oder mögliche Wiederverwendungsoptionen im wirtschaftlichen Vergleich vernachlässigt, obgleich sie einen entscheidenden Beitrag zur tatsächlichen Nachhaltigkeitsperformance des Objekts über den gesamten Lebensweg leisten können.
Die Studie belegt, dass feuerverzinkte Hallenvarianten beim Treibhausgaspotenzial im industrienahen Kontext weit vorn liegen und gleichzeitig hohe Ansprüche an Dauerhaftigkeit und Flexibilität erfüllen. Vor allem bei Bauvorhaben, die auf eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten ausgelegt sind, erweist sich die Kombination aus niedrigem Wartungsbedarf, Kreislauffähigkeit und effizientem Korrosionsschutz als wesentlicher Vorteil. Wer im Sinne des Klimaschutzes ein belastbares, rückbaubares und ressourcenschonendes Tragwerkskonzept anstrebt, findet im feuerverzinkten Stahlbau eine Lösung, die sowohl mit ihrem ökologischen Profil als auch im ökonomischen Vergleich zu alternativen Bauweisen überzeugt. Die herausragenden Eigenschaften von feuerverzinktem Stahl – Dauerhaftigkeit, Robustheit und Wartungsfreiheit – machen ihn nicht nur zu einer nachhaltigen Wahl, sondern auch zu einer wirtschaftlich sinnvollen Investition. Der Vergleich mit anderen Konstruktionsmethoden bestätigt erneut: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich ideal.
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