Zerlegbare Architektur auf dem Wasser
DRIFT wurde für das Kulturfestival “Belfast 2024” entworfen und ist ein demontierbarer schwimmender Pavillon, der durch Klang, Bewegung und immersives Erlebnis das öffentliche Leben an den Fluss Lagan bringen soll.
Das Projekt wurde als wiederverwendbare Konstruktion für eine ungeschützte Flussumgebung entwickelt und zeigt, wie Feuerverzinkung und sorgfältig abgestimmte Stahlkonstruktionen Anpassungsfähigkeit, Langlebigkeit und dauerhaften Schutz in einer umweltfreundlichen öffentlichen Architektur gewährleisten können.
Neugestaltung des öffentlichen Raums am Fluss
DRIFT wurde als eine neue Art von öffentlichem Raum für Belfast konzipiert: Ein schwimmender, demontierbarer Pavillon, der den Menschen den Fluss Lagan wieder näherbringen sollte. Das Projekt, das im Rahmen des Kulturprogramms „Belfast 2024“ realisiert wurde, sollte ein immersives städtisches Erlebnis an einem Abschnitt des Stadtflusses schaffen, der zwar oft im Blickfeld liegt, aber physisch unzugänglich ist.
Anstatt als festes Objekt wurde DRIFT als formwandelnde Struktur konzipiert, die auf unterschiedliche Standorte und Bedingungen reagieren kann. Der in Zusammenarbeit mit der Klangkünstlerin Matilde Meireles entwickelte Pavillon lud die Besucher dazu ein, durch Klang, Bewegung und wechselnde räumliche Beziehungen mit dem Fluss in Kontakt zu treten, und bot so eine sinnlichere und direktere Begegnung mit dem Wasser.
Das Umsetzungsmodell war ebenso innovativ wie das Design selbst. Zur Realisierung des Projekts gründete das Team ein eigens dafür eingerichtetes Unternehmen, das die Rollen von Designer, Bauunternehmer, Auftraggeber und Betreiber übernahm. Dieser praxisorientierte Ansatz ermöglichte eine enge Kontrolle über Design, Fertigung und Installation und unterstrich gleichzeitig den Schwerpunkt des Projekts auf Anpassungsfähigkeit und langfristiger Wiederverwendbarkeit.
Ein schwimmender Pavillon, der auf Wandel ausgelegt ist
Im Mittelpunkt von DRIFT steht die Idee, dass Architektur auf dem Wasser flexibel statt starr sein sollte. Der Pavillon wurde als modulares System konzipiert, das je nach Standort und Programm auf- und abgebaut sowie in unterschiedliche Formen umgestaltet werden kann. Diese Anpassungsfähigkeit war zentral für seine Identität und ermöglichte es, die Struktur nicht als einmalige Installation, sondern als wiederverwendbares Element der öffentlichen Infrastruktur zu nutzen.
Dieser Ansatz erforderte eine Tragwerksstrategie, die Veränderungen zulassen konnte, ohne dabei an Robustheit einzubüßen. Die Lösung lag in einem sorgfältig abgestimmten System aus Pontons, Gerüstaufbauten und maßgeschneiderten Stahlverbindungen, das es ermöglichte, den Pavillon mit minimalem Aufwand wiederholt aufzustellen und neu zusammenzubauen.
In dieser Hinsicht ist DRIFT ein wichtiges Beispiel für zeitgenössische Platzgestaltung in einem begrenzten städtischen Kontext. Es zeigt, wie temporäre Architektur dennoch auf dauerhafte Nutzung ausgelegt werden kann, mit Bauteilen, die für mehrere Lebenszyklen statt für eine einzelne Veranstaltung vorgesehen sind.
Warum verzinkter Stahl unverzichtbar war
Der Erfolg dieser Strategie hing maßgeblich von der Materialwahl ab. Verzinkter Stahl spielte eine entscheidende Rolle für die Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Langlebigkeit des Pavillons. In Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von Design ID und den Herstellern von Inland & Coastal Marina Systems entwickelte das Designteam eine maßgeschneiderte Kantenhalterung aus verzinktem Stahl, die eine sichere Verbindung zwischen den schwimmenden Pontons und der Gerüstkonstruktion ermöglichte und gleichzeitig eine einfache Demontage und Neukonfiguration zuließ.
Dieses Detail war für das Projekt von zentraler Bedeutung. Ohne eine dauerhafte und wiederverwendbare Stahlverbindung hätte der Pavillon niemals die Flexibilität erreicht, die sein Konzept ausmachte. Der Einsatz von verzinktem Stahl stellte sicher, dass die Tragwerkselemente den Belastungen der rauen Flussumgebung standhielten. Das reduzierte den Wartungsaufwand und unterstützte den kreislaufgerechten, klimaschonenden Grundgedanken des Projekts.
Auch die schwimmenden Pontons selbst wurden aus feuerverzinktem Stahl gefertigt, was die Robustheit des gesamten Systems zusätzlich stärkte. Bei einem Projekt, dessen Bauteile auf dem Wasser performen, mehrfachen Auf- und Abbau überstehen und für künftige Nutzungen intakt bleiben mussten, lag der Mehrwert der Feuerverzinkung auf der Hand. Sie lieferte genau den Korrosions- und Langzeitschutz, den ein Bauwerk braucht, das nicht nur schwimmen, sondern sich stetig weiterentwickeln soll.“
Die Randhalterung: Präzision im Detail
Eine zentrale Innovation im Rahmen von DRIFT war die Entwicklung und Fertigung eines maßgeschneiderten verzinkten Halterungssystems, das die Pontons mit dem modularen Gerüstaufbau verbindet. Dieses Detail entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Architekt, Ingenieur und Hersteller und zeigt, wie relativ kleine Bauteile einen überproportional großen Einfluss auf den Erfolg eines Projekts haben können.
Die Halterung musste mehrere konkurrierende Anforderungen erfüllen. Sie musste eine Vielzahl von Gerüstkonfigurationen mit einem, zwei oder drei Stangen je nach Standort unterstützen und dabei auf einer standardisierten und wiederholbaren Logik basieren. Sie musste leicht zu demontieren und wieder anzubringen sein, damit der Pavillon mehrfach wieder aufgebaut werden konnte, ohne dass eine standortspezifische Neukonstruktion erforderlich war. Außerdem musste die Halterung Eckverbindungen sauber lösen und dabei die Einheitlichkeit sowohl bei linearen als auch bei orthogonalen Verbindungen gewährleisten.
Die Materialeffizienz war ein weiterer Schwerpunkt. Der Winkel der Randstütze wurde sorgfältig auf Festigkeit, Wirtschaftlichkeit und einfache Verzinkbarkeit ausgelegt, um sowohl Gewicht als auch Verschnitt zu minimieren und gleichzeitig die für den wiederholten Einsatz erforderliche Robustheit zu gewährleisten. Gleichzeitig mussten die Gerüststangen sauber in die runden Hohlprofil-Aufnahmen passen, ohne dass zusätzliche Befestigungen oder Verformungen erforderlich waren, die ihr statisches Verhalten beeinträchtigen könnten.
Bei der letzten Konstruktion wurde ein Winkelprofil aus verzinktem Stahl verwendet, in das ein Rohrstück mit 33 mm Durchmesser in eine CNC-gefräste Bohrung eingeschweißt wurde. Das Rohrstück ragte durch den unteren Flansch des Winkels und schloss bündig mit der Oberseite ab, wodurch eine zuverlässige Schweißverbindung entstand. Eine M12-Befestigungsschraube wurde sowohl durch die Halterung als auch durch die Gerüststange geführt, wobei die vorgebohrten Löcher so positioniert waren, dass eine einheitliche Montage gewährleistet war.
Während des Entwurfsprozesses wurden zwei Halterungsvarianten geprüft: Eine mit einem saubereren, bündigen Abschluss und innenliegenden Schweißnähten, sowie eine Zweite mit einem sichtbar überstehenden Rohrstück. Dieser Überstand verbesserte die Zugänglichkeit beim Schweißen und erleichterte die Ausrichtung der Schrauben mit der vertikalen Gerüststange. Man entschied sich für die zweite Variante, da sie das Risiko vor Ort auf der Baustelle verringerte und die Montage vereinfachte, ohne dabei die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen.
Diese Entscheidung zeugt von der durchdachten Praxisnähe des gesamten Projekts. DRIFT wurde nicht einfach nur auf eine edle Optik hin entworfen. Es wurde entwickelt, um unter realen Bedingungen vor Ort immer wieder zuverlässig und effizient zu funktionieren. Die Berücksichtigung von Bautoleranzen in diesem Detail schuf – zusammen mit der CNC-gesteuerten Positionierung der Bohrlöcher und einer hochpräzisen Fertigung – die perfekte Balance zwischen fertigungstechnischer Machbarkeit, statischer Leistungsfähigkeit und optischer Klarheit.
Die Abstimmung erstreckte sich sogar auf die Geometrie der Pontons. Der Standard-Lochabstand der Pontons von Inland & Coastal Marina Systems wurde an das 610–620-mm-Raster von DRIFT angepasst, sodass der Pavillon mit Standardkomponenten ausgerichtet werden konnte, ohne dass die Pontons grundlegend neu konstruiert werden mussten. Diese sorgfältige Anpassung verwandelte ein Standardprodukt in ein maßgeschneidertes Element einer demontierbaren Architektur.
DRIFT zeichnet sich nicht nur als kulturelle Installation aus, sondern auch als Beispiel für wiederverwendbare Architektur, die nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gestaltet wurde. Jeder Aspekt des Projekts, vom modularen Gerüstrahmen bis hin zu den verzinkten Stahlpontons und Halterungen, war auf langfristige Wiederverwendbarkeit, geringen Wartungsaufwand und reduzierten Materialabfall ausgerichtet.
Hier dient die Feuerverzinkung nicht nur der Korrosionsbeständigkeit. Sie ermöglicht wiederholtes Auf- und Abbauen ohne raschen Verschleiß und trägt so dazu bei, den Wert und die Leistungsfähigkeit der Bauteile über lange Zeit zu erhalten. In einer exponierten Umgebung, in der Wasser, Witterung und Beanspruchung hohe Anforderungen an das Material stellen, ist diese Widerstandsfähigkeit unerlässlich.
Durch die Kombination standardisierter verzinkter Bauteile mit maßgeschneiderten Details zeigt DRIFT, wie temporäre öffentliche Architektur sowohl technisch robust als auch umweltverträglich sein kann. Es bietet ein reproduzierbares Modell für zukünftige schwimmende Interventionen in Städten, in denen der Zugang zum Wasser oft begrenzt, der Wunsch nach bürgerlicher Verbundenheit jedoch groß ist.
Als Projekt vereint DRIFT Technik, Fertigung, Klangkunst und Stadtgestaltung auf bemerkenswert stimmige Weise. Die schwimmende Form sowie die variablen Konfigurationen ermöglichen es dem Pavillon, sich an unterschiedliche Standorte anzupassen, während die Materialauswahl sicherstellt, dass diese Flexibilität nicht auf Kosten der Langlebigkeit geht.
Der Pavillon zeigt, wie eine bescheidene Palette gut aufeinander abgestimmter Teile ein reichhaltiges städtisches Erlebnis schaffen kann. Noch wichtiger ist, dass er demonstriert, wie Feuerverzinkung eine Architektur unterstützen kann, die nicht nur anpassungsfähig und demontierbar ist, sondern auch in einem anspruchsvollen Uferumfeld langfristigen Schutz bietet. Am Fluss Lagan bietet DRIFT ein überzeugendes Beispiel dafür, was aus einem schwimmenden öffentlichen Raum werden kann: Wiederverwendbar, umweltschonend und eng auf Menschen und Ort abgestimmt.
Projekt-Informationen
Fotografie
Joe Laverty / Elyse Kennedy /Dominic Coyle / OGU
Architektur
OGU Architects

