Ardgowan Distillery, Schottland
Eine Kathedrale für den Whisky
Die neue Ardgowan Distillery, die sich auf dem Ardgowan Estate in Inverkip befindet, vereint ambitionierte Whiskyherstellung, Besuchererlebnisse und eine markante Stahlarchitektur.
Das Projekt, das als Wahrzeichen in einer ländlichen Umgebung konzipiert wurde, zeigt, wie Feuerverzinkung sowohl architektonische Ausdruckskraft als auch langfristigen Schutz für vollständig freiliegende Stahlkonstruktionen bieten kann.
Nach Jahrhunderten voller Höhen und Tiefen erlebt die Whiskyproduktion in Schottland erneut einen bemerkenswerten Aufschwung. In den letzten zehn Jahren wurden mehr als 30 neue Brennereien eröffnet, was das beträchtliche Wachstum der Branche und die steigende Nachfrage sowohl international als auch im Inland widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund entsteht auf dem Ardgowan Estate in der Nähe von Greenock, etwa 50 Kilometer westlich von Glasgow, eine bedeutende neue Brennerei und Besucherattraktion.
Die Ardgowan Distillery soll den florierenden Markt für Premium-Malt-Whisky bedienen und gleichzeitig wirtschaftlichen sowie sozialen Nutzen für die Region Inverclyde stiften. Im Vollbetrieb wird die Brennerei über eine Kapazität von bis zu zwei Millionen Litern Whisky pro Jahr verfügen.
Architektonisch ist das Gebäude darauf ausgelegt, einen unmittelbaren Eindruck zu hinterlassen. Sein steil abfallendes Satteldach und die hohe, stahlgerüstete Form verleihen ihm eine kraftvolle Silhouette, die bereits mit einer Kirche oder gar einer Kathedrale des Whiskys verglichen wurde. Eingebettet in eine Talmulde und umgeben von bewaldeten Hängen wurde die Brennerei sowohl als Industriegebäude als auch als Wahrzeichen der Landschaft konzipiert.
Das steile Dach schafft ein lichtdurchflutetes Innenraumambiente und bietet gleichzeitig die erforderliche Spannweite, um großformatige Prozessanlagen unterzubringen, darunter einen fünf Tonnen schweren Maischebottich, Gärkessel und Kupferbrennblasen. Die Proportionen und die strukturelle Form des Gebäudes ermöglichen es, eine beträchtliche Produktionskapazität unterzubringen, ohne die Übersichtlichkeit des Innenraums zu beeinträchtigen.
Nach der Fertigstellung wird die Außenverkleidung in Kupferrot- und Bronzetönen gehalten sein, die ausgewählt wurden, um die herbstlichen Farbtöne des umliegenden Anwesens widerzuspiegeln. Doch es ist der im Gebäude vollständig freiliegende Stahlrahmen, der dem Projekt einen Großteil seines architektonischen Charakters verleiht.
Das Haupttragwerk weicht von dem bekannten, bei Industriebauten oft verwendeten Portalrahmen aus Walzprofilen ab. Stattdessen setzt die Ardgowan Distillery auf einen Fachwerk-Portalrahmen, der der Konstruktion sowohl die nötige Festigkeit als auch eine elegantere Ästhetik verleiht.
Die Außenstützen bestehen aus gefertigten Fachwerkelementen mit einer Höhe von 7,3 Meter und einer Bautiefe von 1,35 Meter. Diese Fachwerke wurden nicht nur gewählt, weil sie die zur Abstützung des Dachs erforderliche Stabilität bieten, sondern auch, weil sie optisch ansprechender wirken als herkömmliche Stützen. Am Kopf jeder Fachwerkstütze schließt über einen Knickpunkt ein 1,35 Meter starker Fachwerk-Dachbinder an, der das geneigte Dach bildet. Diese Dachlinie fällt nicht nur im Querschnitt, sondern auch in der Längsrichtung des Gebäudes ab, wobei sie am höchsten Punkt auf 16,5 Meter ansteigt und am niedrigsten auf 10 Meter sinkt.
Das rund 60 Meter lange Gebäude ist als Portalrahmenkonstruktion konzipiert und in zwei Hauptbereiche unterteilt. Der höhere Gebäudeteil beherbergt die Mühle, das Maischehaus und die eigentliche Destillation, während im niedrigeren Bereich Tanks und Silos untergebracht sind. Zwei Gebäudefelder, in denen sich die Hauptsilos befinden, haben kein festes Dach. Sie sind stattdessen mit einem Netzgewebe überspannt, um die äußere Dachkontur optisch zu erhalten, während dieser Teil der Konstruktion den Elementen ausgesetzt bleibt.
Da die gesamte Stahlkonstruktion im fertigen Gebäude sichtbar bleiben soll, war die Langlebigkeit von Anfang an ein wesentlicher Punkt. Aus diesem Grund wurden alle tragenden Bauteile, einschließlich der Fachwerkträger, vollständig feuerverzinkt.
Bei einem Projekt dieser Art, bei dem freiliegende Stahlkonstruktionen eine so sichtbare Rolle in der Architektur spielen, muss die Oberflächenbehandlung mehr leisten als nur den Metallschutz. Sie muss auch den Anforderungen bei der Handhabung, Montage und den Betriebsbedingungen einer anspruchsvollen industriellen Umgebung standhalten. Die Feuerverzinkung bot diese Kombination aus Widerstandsfähigkeit und Oberflächenqualität und verschaffte dem Stahlrahmen den erforderlichen Langzeitschutz, während sie gleichzeitig die optischen Ansprüche des Entwurfs erfüllte.
Die Entscheidung für verzinkten Stahl war angesichts der Lage des Gebäudes auf einem offenen Industriegelände und der Notwendigkeit einer dauerhaften Leistungsfähigkeit besonders angebracht. In dieser exponierten Umgebung musste der Tragrahmen von den frühesten Bauphasen bis hin zum langfristigen Betrieb Zuverlässigkeit bieten. Die Sichtbarkeit des Rahmens im fertigen Gebäude unterstrich nur noch die Bedeutung der Wahl einer Oberflächenbehandlung, die dauerhaften Schutz bietet, ohne auf anfälligere Oberflächenbeschichtungen angewiesen zu sein.
Sämtliche Fachwerkstützen und Dachbinder wurden als vollständig verschweißte Elemente auf die Baustelle geliefert und waren direkt montagebereit. Im Auftrag des Hauptunternehmers Muir Construction schloss Hescott Engineering die Montage des Haupttragwerks im März mithilfe eines einzigen 60-Tonnen-Mobilkrans ab. Bevor die Stahlbauarbeiten beginnen konnten, war das alte Sägewerk auf dem Gelände abgerissen und Einzelfundamente mit Fußplatten gegossen worden, um die Fachwerkstützen aufzunehmen.
Nach der Fertigstellung des Haupttragwerks folgte der innenliegende Stahlbau. Dieser umfasst zwei Ebenen: Eine Zwischenebene auf drei Metern Höhe, die die Verarbeitungstanks umschließt, sowie eine Hauptproduktionsebene auf sechs Metern Höhe, die etwa die Hälfte der Gebäudegrundfläche einnimmt. Die Montage dieses Stahl-Innenausbaus erforderte eine enge Abstimmung mit der Aufstellung der verfahrenstechnischen Anlagen. Der Stahlbau wurde förmlich um die Tanks und Behälter herum errichtet, während diese in Position gebracht wurden.
Diese enge Verbindung zwischen Tragwerk und Produktionsprozess ist von zentraler Bedeutung für das Projekt. Der Stahlrahmen ist nicht einfach nur eine Gebäudehülle, sondern ein aktiver Bestandteil des Betriebsablaufs. Er trägt Laufstege, Zwischendecken und einen Brückenkran, der künftig für die Wartung und den Austausch von Anlagenteilen genutzt wird.
Die Brennerei wurde auch mit Blick auf zukünftige betriebliche Anforderungen geplant. Da bestimmte Tanks und Kessel alle zehn bis fünfzehn Jahre ausgetauscht werden müssen, wurden herausnehmbare Bodenelemente in die stahlgerahmten Zwischendecken integriert. Diese Öffnungen ermöglichen es, Hebevorgänge direkt mit dem am Haupttragwerk befestigten Brückenkran durchzuführen.
Dieser vorausschauende Ansatz spiegelt den übergeordneten Entwurfsgedanken des Projekts wider: Ein Gebäude zu schaffen, das nicht nur für die unmittelbare Nutzung, sondern für einen effizienten Langzeitbetrieb konzipiert ist. In diesem Zusammenhang trägt die Feuerverzinkung einmal mehr maßgeblich zu den übergeordneten Zielen der Langlebigkeit, Wartungsfreundlichkeit und des dauerhaften Schutzes bei.
Eine der bemerkenswertesten Ingenieursleistungen des Projekts war die Umgestaltung der stählernen Dachkonstruktion. Um die Vision des Architekten von einer glatten, nahtlosen und in zwei Richtungen geneigten Dachfläche zu verwirklichen, wurde die ursprüngliche Dachunterkonstruktion überarbeitet. Die vorgesehenen Rundhohlprofile wurden durch konventionelle Dachpfetten ersetzt. Diese wurden an sorgfältig positionierten Anschlussblechen befestigt, deren Ausrichtung über das gesamte Tragwerk hinweg leicht variierte.
Durch den Einsatz torsionsweicher Pfetten, die diese Verdrehung aufnehmen konnten, gelang es dem Planungsteam, die Dachform exakt an das Architekturmodell anzupassen. Da es auf dem Markt keine Software gab, mit der sich die Pfetten mit dieser speziellen Verwindung statisch prüfen ließen, mussten die Berechnungen von einem unabhängigen Ingenieur durchgeführt werden. Das Ergebnis war eine elegantere und effizientere Konstruktion, die dem Bauherrn zudem Kosteneinsparungen einbrachte.
Eine zweite Bauphase ist bereits in Planung: Sie umfasst ein Besucherzentrum in Stahlbauweise, das an den höchsten Punkt der Brennerei anschließen wird. Zusammen werden diese Gebäude Ardgowan sowohl als Produktionsstätte als auch als Anziehungspunkt etablieren und dazu beitragen, die Destillerie fest in das weitläufige Anwesen und die regionale Wirtschaft zu integrieren.
Doch schon vor der Umsetzung dieser nächsten Phase ist das Hauptgebäude ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie der Stahlbau die Industriearchitektur mit Klarheit und gestalterischem Anspruch prägen kann. Die kirchenähnliche Silhouette, die sichtbaren Fachwerkträger und das sorgfältig durchdachte Dach verleihen dem Bauwerk eine unverwechselbare Identität, während die Ingenieurskunst gleichzeitig den praktischen Anforderungen der modernen Whiskyproduktion gerecht wird.
Bei diesem Projekt spielt die Feuerverzinkung eine entscheidende Rolle. Sie stellt sicher, dass der offenliegende Stahlbau in einer anspruchsvollen Umgebung bestehen kann, unterstützt eine effiziente Fertigung sowie Montage und bietet genau den Langzeitschutz, der für ein großes Produktionsgebäude unerlässlich ist. In der Ardgowan Distillery ist die Verzinkung keine nachrangige Materialentscheidung, sondern maßgeblich für den Erfolg, die Langlebigkeit und den Charakter der gesamten Architektur.
Projekt-Informationen
Stahlbau
Hescott Engineering
Fotografie
Chris Scott, Martin McAdam



