Ein Hexenbesen aus Stahl und Zink
ein Hexenbesen aus Stahl und Zink
Ein Aussichtsturm als Landmarke und Dauerlösung. Im thüringischen Teil des Harzes erhebt sich seit 2025 ein neues Wahrzeichen: der rund 70 Meter hohe Aussichtsturm „Harzer Hexenreich“ bei Ellrich. Die Konstruktion in Form eines überdimensionalen Hexenbesens spielt mit der regionalen Mythologie und setzt zugleich ein deutliches Signal für langlebiges Bauen mit Stahl und hochwertigem Korrosionsschutz.
Die verspielte Konstruktion ist ein Beispiel dafür, wie expressive Form, anspruchsvolle Stahlbaugeometrie und ein durchdachtes Korrosionsschutzkonzept zu einem robusten, wartungsarmen Gesamtbauwerk werden.
Die Konstruktion gliedert sich in eine zentrale Turmröhre mit 3,40 m Durchmesser, die einen Aufzug aufnimmt, sowie einen Antennenmast mit 1,45 m Durchmesser. Um diesen Kern legt sich eine netzartige Außenstruktur in Form eines asymmetrischen Rotationshyperboloids – das „Reisigbündel“ des Hexenbesens.
Auf etwa 43 Metern Höhe befindet sich eine verglaste Aussichtsplattform, die barrierefrei mit dem Aufzug erreichbar ist. Für den Abstieg stehen zwei Rutschen zur Verfügung, von denen sich eine fast 100 Meter um den Turm windet. Im Sockelgeschoss ergänzt eine interaktive Ausstellung zum Thema Hexen und Magie das touristische Angebot, flankiert von einer Erlebnisspielwelt und gastronomischen Einrichtungen im Bestand der ehemaligen DDR-Grenzkompanie.
Die exponierte Lage im Harz stellt hohe Anforderungen an den dauerhaften Schutz der Stahlkonstruktion. Die Kombination aus erhöhten Niederschlägen, Temperaturwechseln und windbelasteter Lage führt zu einer beanspruchenden Atmosphäre, die in der Planung konsequent berücksichtigt werden musste.
Für Architekt und Tragwerksplaner war früh klar: Nur ein systematisch durchdachtes Korrosionsschutzkonzept mit der höchsten Schutzklasse C5 (sehr hohe Korrosivität gemäß DIN EN ISO 12944-2) erfüllt die Anforderungen an Lebensdauer, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die Lösung konnte feuerverzinkter Stahl bieten – als Duplexsystem im Verbund mit einer Farbbeschichtung.
Durch das Feuerverzinken entsteht zunächst ein vollflächiger Zinküberzug, der über den kathodischen Schutz auch bei kleineren Beschädigungen wirksam bleibt. Die anschließende Beschichtung schließt das System ab, erhöht die Beständigkeit und verlängert die zu erwartende Schutzdauer nochmals.
In der Anwendung bedeutet dies eine hohe Robustheit gegen Stoß- und Abriebbelastungen, Wegfall von Instandhaltungsintervallen und verlässliche Kalkulierbarkeit der Lebenszykluskosten.
Ein besonderes Bauteil ist die gebogene Stahltreppe, die sich als geschweißte Blechkonstruktion um den Turm legt. Sie wurde als wasserdichter Körper geplant und so segmentiert, dass sie problemlos in die Verzinkungsbecken eingetaucht werden konnte. Die Treppe zeigt, wie wichtig die frühe Abstimmung zwischen Architekt:innen, Stahlbauunternehmen und Verzinkerei ist. So lassen sich anspruchsvolle geometrische Ideen mit höchsten Korrosionsschutzstandards umsetzen.
Der Aussichtsturm „Harzer Hexenreich“ verbindet touristische Inszenierung mit einem konsequenten technischen Konzept. Die skulpturale Stahlkonstruktion in Form eines Hexenbesens wäre ohne ein abgestimmtes Korrosionsschutzsystem nur schwer dauerhaft zu betreiben. Für Planende sendet das Projekt ein klares Signal: Feuerverzinken ist nicht nur ein robustes Schutzverfahren, sondern ein Planungsinstrument, das expressive Gestaltung und langfristige Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet.
Projekt-Informationen
Architektur
Dr. Flagmeyer Architekten / Worschech Architekten
Metallbau
Windhorst Stahl- und Metallbau GmbH