Identitätsträger einer neuen Arbeitswelt
New Work Identität
Mit dem Pandion OFFICEHOME Zinc entstand ein Bürogebäude, das zwei Ebenen zugleich adressiert: die Anforderungen neuer, flexibler Arbeitswelten im Inneren und eine klare, robuste und zugleich elegante Antwort auf den städtebaulichen Kontext einer ehemaligen Industriefläche nach außen. Die entscheidende Rolle spielt dabei eine hinterlüftete Fassade aus feuerverzinkten Stahlblechen. Konstruktion, Gestalt und Nachhaltigkeitskonzept greifen hier direkt ineinander.
Das Pandion OFFICEHOME Zinc ist als hochflexibles Bürogebäude mit einem sehr tiefen Grundriss von 23,3 m und einer Gebäudelänge von bis zu 76,5 m konzipiert. Ein einziger zentraler Erschließungskern ermöglicht große, zusammenhängende Mietflächen, die sich frei in Zonen für konzentriertes Arbeiten, Kommunikation und projektbezogene Nutzungen gliedern lassen. Ein weitspannendes Tragwerk unterstützt diese Flexibilität und hält die Grundrisse für unterschiedliche Bürokonzepte offen.
Die Tiefe des Baukörpers stellt hohe Anforderungen an die natürliche Belichtung. Die Fassade ist daher nicht nur „Hülle“, sondern direkte Reaktion auf diese funktionale Aufgabe: Große, geschosshohe Fensterflächen maximieren den Tageslichteintrag. Um trotz der gewünschten Öffnungsgrößen auf randnahe Unterzüge verzichten zu können, reduziert ein System aus trapezförmigen Fassadenstützen die Deckenspannweiten entlang der Fassade. Das Tragwerk wird damit zum Gestaltungsprinzip und prägt den architektonischen Ausdruck der Außenhaut.
Der sechsgeschossige Baukörper ist vollflächig mit großformatigen Tafeln aus feuerverzinktem Stahlblech bekleidet. Diese Materialwahl leistet mehr als reinen Witterungsschutz. Sie verortet das Gebäude bewusst in der informellen, vom Aufbruch geprägten Umgebung einer transformierten Industriebrache und nimmt die Sprache des Ortes auf – Metall, Produktion, handfestes Arbeiten.
Die Tafeln aus 3 mm starkem, feuerverzinktem Stahlblech bilden nicht nur die äußere Fassadenfläche, sondern umgreifen alle zentralen Kontaktzonen des Bauwerks: Die auskragenden Dachflächen der Dachterrassen, Innen- und Unterseiten der Loggien und die Innenbereiche der Lobby, einschließlich der Decken mit integrierter Beleuchtung. Damit wird der verzinkte Stahl vom rein äußeren Schutzsystem zum räumlichen und haptischen Gestaltungselement. Nutzende erleben die Materialität unmittelbar beim Betreten des Gebäudes.
Die Zinkschicht übernimmt den dauerhaften Korrosionsschutz und sichert damit die Lebensdauer aller Fassadenebenen, inklusive der mechanisch beanspruchten Befestigungspunkte. Durch die Systematisierung der Fassade mit sich wiederholenden Tafelformaten und Rastermaßen ergibt sich ein hoher Vorfertigungsgrad. Elementierte Fenster und vorgefertigte, feuerverzinkte Stahlblechbekleidungen können parallel produziert und flexibel montiert werden. Das reduziert Bauzeit, sichert Qualität und minimiert Schnittstellenrisiken.
Die feuerverzinkten Bauteile sind als kreislauffähige Komponenten in das Nachhaltigkeitskonzept integriert. Das Projekt zielt auf eine DGNB-Gold-Zertifizierung und WiredScore Gold und basiert auf dem Effizienzgebäude 55- Standard. Wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte umfassen die Nutzung von Fernwärme als Energiequelle, mechanische Belüftung, Kühlung und Heizung über Deckensegel, Solarflächen auf dem Dach und Regenwassermanagement mit Begrünung und Retentionsflächen.
Die Fassade fügt sich hier konsequent ein: Stahl und Zink sind sortenrein demontier- und recycelbar. Die lange Nutzungsdauer reduziert Material- und Energieaufwand für Instandsetzung und Erneuerung und die robuste Oberfläche erlaubt einen langfristigen, qualitätssicheren Einsatz auch bei wechselnden Nutzungen und Mieterstrukturen. Damit wird Feuerverzinken Teil einer umfassenden Ressourcenschonungsstrategie und nicht nur als technischer Detailbaustein verstanden.
Die Fassade des Pandion OFFICEHOME Zinc verbindet ein aus Nutzung und Tragwerk abgeleitetes, strenges Design mit deutlichem Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Die Materialität ist so prägend, dass sie zum Namensgeber des Gebäudes wird – „Zinc“ ist hier kein Marketingzusatz, sondern Ausdruck des architektonischen Konzepts. CollignonArchitektur demonstriert damit, wie feuerverzinkter Stahl aus der Rolle einer reinen Schutzschicht heraustritt und zum identitätsstiftenden Baustein zeitgenössischer Architektur wird.
Projekt-Informationen
Architektur
CollignonArchitektur
Fassadenbau
SCHRAG Fassaden GmbH
Fotografie
Linus Lintner