Mehr als nur fassade
Wo früher in Hörsälen nur Theorie gelehrt wurde, weht heute ein anderer Wind. Auf dem Campus der Universität des Saarlandes wird gehämmert, geschweißt und an Prototypen gefeilt. Das Innovation Center gibt diesem neuen Geist den passenden Raum.
Schon von Weitem fällt das Gebäude durch sein Zusammenspiel aus mattschwarzen Aluminiumtafeln und feuerverzinkten Stahlblechen auf. Das schimmernde Metallkleid ist dabei weit mehr als nur Fassade. Es bildet den Rahmen für einen Ort, an dem Studierende, Forschende und regionale Unternehmen unter einem Dach zusammenfinden.
Schon auf dem Campus zieht die äußere Hülle des Gebäudes alle Blicke auf sich und setzt ein gestalterisches Ausrufezeichen. Die Fassade ist aus großformatigen Tafeln zusammengesetzt. Dabei enteht zwischen den Blechen aus Aluminium und verzinktem Stahl ein Wechselspiel aus Klein und Groß, Hell und Dunkel, Schillernd und Matt. Die Aluminiumbleche wurden eloxiert, während bei den feuerverzinkten Blechen, getreu des rohen Konzepts auf weitere Nachbehandlungen verzichtet wurde. So behält der Werkstoff seine authentische Struktur und kann über die Jahre eine charakteristische Patina bilden. Gleichzeitig sorgt die Feuerverzinkung für einen widerstandsfähigen Korrosionsschutz, der das Gebäude über Jahrzehnte hinweg zuverlässig vor Witterungseinflüssen schützt.
Die Tafeln sind in einem bewusst willkürlich erscheinenden Wechsel angebracht und springen in der Tiefe leicht vor und zurück. Durch diese unregelmäßige Anordnung und den farblichen Kontrast der Metalle entsteht eine dynamische Optik, die dazu einlädt, ins Innere zu blicken.
Beim Betreten des Inneren sind, neben flexiblen Räumen für Seminare, Ausstellungen und den Austausch mit Investoren, zwei voll ausgestattete Werkstätten vorzufinden, in denen Ideen für Prototypen und Kleinserien sofort praktisch umgesetzt werden können.
Um diesen Werkstattcharakter zu unterstreichen, fiel die Wahl auf eine ehrliche Materialsprache. Auf ein veredelndes Finish wurde fast vollständig verzichtet. Beton bleibt Beton, geöltes Holz bleibt geöltes Holz und feuerverzinkter Stahl präsentiert sich in seiner puristischen Urform.
Tritt man noch tiefer in die Arbeitsbereiche ein, setzt sich das Konzept des Wechselspiels fort. Die Böden der öffentlichen Zonen sind mit einem geölten Industrieparkett belegt, während Decken und Wände zum Großteil ihre rohe Betonstruktur zeigen. Passend zu diesem industriellen Narrativ sind die Treppengeländer großteils aus feuerverzinktem Stahl gefertigt.
Es wurden zudem gezielte Akzente gesetzt, um die Räume lebendig zu machen. Einige wenige glatt gespachtelte und weiß gestrichene Wandflächen sowie Möbel in einem markanten Grünton brechen mit der bisherigen Designsprache. Dieser Kontrast macht die Wirkung der Rohmaterialien erst vollständig erlebbar.
Projekt-Informationen
Architektur
RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH
Fotografie
Marcus Schwier
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